Vorwort des Direktors
Sprachen zu lernen ist auch im Jahr 2025 ungebrochen beliebt. Die anhaltend hohe Nachfrage nach Sprachkursen am gemeinsamen Sprachenzentrum der Universität Zürich und der ETH Zürich zeigt deutlich: Sprachkompetenz bleibt eine zentrale Ressource für Studium, Forschung, Beruf und gesellschaftliche Teilhabe, gerade in einem hochgradig internationalen und mehrsprachigen Hochschulumfeld wie demjenigen von UZH und ETH.
Zugleich hat sich die Rolle von Sprache in den letzten Jahren weiter ausdifferenziert. Sprache ist nicht nur Mittel der Verständigung, sondern eine grundlegende akademische Kompetenz: Sie ermöglicht präzises Denken, kritisches Lesen, argumentatives Schreiben und reflektierte Kommunikation. Diese Fähigkeiten sind für alle Disziplinen zentral – in den Geistes- und Sozialwissenschaften ebenso wie in den Natur-, Ingenieur- und Lebenswissenschaften.
Besondere Bedeutung gewinnt Sprache im Kontext der rasanten Entwicklung Künstlicher Intelligenz. Wenn heute von «AI» die Rede ist, geht es in der Praxis häufig um Large Language Models – also um Systeme, die Sprache verarbeiten und erzeugen. Der kompetente, kritische und verantwortungsvolle Umgang mit solchen Technologien setzt ein tiefes Verständnis von Sprache voraus. Sprachkompetenz ist damit nicht nur Teil von Human Literacy, sondern auch eine wesentliche Voraussetzung für AI Literacy – an der UZH wie an der ETH.
Vor diesem Hintergrund haben wir im Berichtsjahr das Angebot des Sprachenzentrums weiterentwickelt und klarer strukturiert. Es gliedert sich heute in drei miteinander verbundene Säulen, die den unterschiedlichen Profilen und Bedürfnissen beider Hochschulen Rechnung tragen:
Die erste Säule bildet der Spracherwerb. Er bleibt das Fundament unserer Arbeit und unterstützt Studierende und Mitarbeitende von UZH und ETH beim systematischen Aufbau von Sprachkompetenzen in einer Vielzahl von Sprachen und auf unterschiedlichen Niveaus für Studium, Forschung und Mobilität.
Die zweite Säule ist das Academic Communication Center (ACC). Es bündelt Angebote im Bereich Fachsprache sowie akademischer Kommunikationskompetenzen in verschiedenen Sprachen. Im Fokus stehen dabei Schreiben, Präsentieren und mündliche Kommunikation in akademischen und professionellen Kontexten als Schlüsselqualifikationen für exzellente Forschung, erfolgreiche Lehre, den Übergang in den Arbeitsmarkt und die internationale Sichtbarkeit von UZH und ETH.
Die dritte Säule umfasst das autonome Lernen. Sie trägt der Tatsache Rechnung, dass Sprachlernen an grossen, heterogenen Hochschulen wie UZH und ETH in hohem Mass selbstgesteuert erfolgt. Mit Übungs-, Beratungs- und Begegnungsformaten schaffen wir Räume, in denen Studierende und Mitarbeitende ihre Sprachpraxis vertiefen und zugleich lernen, wie sie ihre sprachlichen Kompetenzen nachhaltig weiterentwickeln können.
Der Jahresbericht 2025 dokumentiert diese Weiterentwicklung des Sprachenzentrums als gemeinsame Infrastruktur von UZH und ETH. Er zeigt, wie Sprache als verbindende Kompetenz wirkt, über Disziplinen, Sprachen und institutionelle Grenzen hinweg – und wie sie zur Qualität von Studium, Forschung und Internationalisierung an beiden Hochschulen beiträgt.
Ich danke allen Mitarbeitenden des Sprachenzentrums für ihr grosses Engagement sowie unseren Partnerinnen und Partnern an UZH und ETH für die enge und konstruktive Zusammenarbeit.
Giorgio Iemmolo, Direktor des Sprachenzentrums
